Projekt: Veranstaltungszentrum Schlossanlage Rheinsberg

Rheinsberg von außen

Ansicht von außen

Rheinsberg Theater

Blick in das Studiotheater (Bauzustand)

Rheinsberg Reflektoren

Deckenreflektoren zur Erhöhung der Deutlichkeit


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Funktionen

  • Musikakademie (Kavalierhaus)
    mit Künstlerübungs- und Übernachtungsräumen, Tonstudio, Orchesterprobenraum, Einzelprobenräumen, Vortragssaal Klavier, Kasino
  • Studiotheater (ehemaliges Schlosstheater)
    Nutzung als Mehrspartentheater und Experimentierbühne (Theater, Oper, Konzert)

Auftraggeber

Amt Rheinsberg

Planer

HWP, Hein, Wittemeyer und Partner Architekten und Ingenieure, Berlin

Bauzeit

1996-2000

Bauvolumen

18 Mio. DM

Beschreibung des Bauvorhabens

Die Schlossanlage Rheinsberg, 80 km vor den Toren Berlins, ist ein historischer und kultureller Anziehungspunkt ersten Ranges.

Im Rahmen der Wiederherstellung des Gesamtkomplexes der Schlossanlage wurde der östlich vom Schloss gelegene Gebäudebereich Altes Schlosstheater und Kavalierhaus einer funktionellen Neuordnung unterzogen.

Es wurden durch das Amt Rheinsberg in Verbindung mit dem für die Planungsleistungen beauftragten Architekturbüro Hein, Wittemeyer und Partner folgende Hauptnutzungen vorgesehen:

  • Künstlerhaus (Neubau unter Nutzung der Reste des Kavalierhauses) mit
    • Orchesterprobenraum, 160 m²
    • Chorprobenraum, 160 m²
    • Einzelprobenräume für unterschiedliche Instrumente
    • Vortragssaal Klavier für 50 Personen
    • Tonstudio
  • Studiotheater (Ausbau der Theaterruine)
    • mit max. 375 Plätzen und Nutzung als
    • Konzertsaal
    • Musiktheater

Das Künstlerhaus wurde als Mauerwerksbau mit Stahlbetondecken konzipiert. Durch Decken mit einer Dicke von 22 cm mit schwimmendem Estrich und biegeweicher Unterdecke sowie vorwiegend 24 cm dicken Kalksandsteinwänden mit biegeweicher Vorsatzschale wurden bauakustische Verhältnisse geschaffen, die gleichzeitiges Proben auch in unmittelbar benachbarten Räumen erlauben. Ziel raumakustischer Maßnahmen waren optimale Nachhallzeit und Diffusität.

Das Studiotheater entstand als Aus- und Wiederaufbau der klassizistischen Schlosstheaterruine. Ziel war eine vielfältige Nutzung für Konzert, Oper, Theater unter optimalen akustischen Bedingungen.

Um den Erfordernissen eines Mehrsparten- und Experimentiertheaters gerecht zu werden, wurde eine große funktionelle Vielfalt angestrebt. Das Theater besitzt eine Haupt- und eineNebenbühne. Das Parkett ist eben und durch Podeste auch mit Sitzreihenüberhöhung nutzbar.

Im Bereich der Hauptbühne befindet sich ein hydraulisch verfahrbarer Orchestergraben. Er wird beiNichtbenutzung in die Parkettebene gefahren.

Das Gestühl kann gerade bis halbkreisförmig mit unterschiedlicher Bestuhlungsdichte in unterschiedlicher Ausrichtung angeordnet werden.

Die vorgesehenen Raumnutzungen erforderten eine variable Anpassung der Nachhallzeit an den jeweiligen Anwendungsfall. Es waren Nachhallzeiten zwischen 1,1 und 1,6 Sekunden zu realisieren. Außerdem waren weitere akustische Parameter wie Deutlichkeit, Durchsichtigkeit und Klarheit zu optimieren.

Das wurde durch eine sogenannte "variable Akustik" erreicht:

Einer vorhandenen Grundschallabsorption, die die raumakustischen Parameter im aufführungsbereiten, fast leeren Zustand für wenige Darbietende gewährleistet, wurde ein großer Anteil variabler schallabsorbierender Materialien in Form von rollbaren Vorhangelementen und schallabsorbierenden Quervorhängen im oberen Saalbereich zugeordnet, die je nach Nutzungsart im aufgezogenen Zustand die Nachhallzeit verringern und im zusammengezogenen Zustand hinter schallreflektierenden Blenden die Grundschallabsorption nur unwesentlich beeinflussen.

Weitere raumakustische Maßnahmen dienten der Nutzschallversorgung, der Schallenkung sowie der Vermeidung eines "Theaterechos". Dem denkmalpflegerischen Wunsch, das vorhandene Mauerwerk sichtbar im Raum zu belassen, wurde akustisch durch einen porenschließenden Anstrich entsprochen, der eine klangverändernde Absorption im hohen Frequenzgebiet ausreichend reduziert.

Akustische Erprobungsmessungen ergaben, dass die vorgesehenen Maßnahmen zu sehr guten akustischen Raumverhältnissen führten.

Am 31.12.1999 wurde das Theater mit einer Opernaufführung der Öffentlichkeit übergeben.