Schallintensitäts-Messungen in der Bauakustik - nach der Normenreihe ISO 15186

Der Einsatz der Schallintensitäts-Messtechnik bei bauakustischen Güteprüfungen eröffnet Möglichkeiten, die mit der "klassischen" Messmethode (ISO 140-Reihe) bislang undenkbar waren. Auf dieser Seite möchten wir Sie über die Prinzipien und Möglichkeiten dieser noch relativ jungen Messmethode informieren und die Vorteile und Unterschiede gegenüber dem klassischen Messverfahren verdeutlichen.

Als akkreditiertes Prüflaboratorium nach ISO/IEC 17025 führen wir Schallintensitätsmessungen in der Bauakustik normgerecht nach der Normenreihe ISO 15186 durch.


Schallintensitätstechnik in der Bauakustik
- Die Vorteile auf einen Blick:

  • Das bewertete Schalldämm-Maß kann für jede beliebige (Teil-) Fläche eines Bauteils bestimmt werden!
  • Ein zusammengesetztes Bauteil kann getrennt betrachtet werden (z.B. die Schalldämmung einer Tür und die Schalldämmung der umgebenden Wand separat),
  • Die Schalldämmung eines Bauteils kann ohne Flankenübertragungswege ermittelt werden (sonst nur im Prüfstand möglich),
  • Umgekehrt kann ebenso die Schalllängsdämmung flankierender Bauteile gemessen werden,
  • Durch Abtasten des Schallfelds direkt vor dem Bauteil ist eine gezielte Mängeldiagnose möglich.
  • Schwachstellen, akustische Lecks oder unerwünschte Flankenübertragung können exakt lokalisiert werden!

Download Infoblatt als PDF (ca. 500 KB)


Die Schallintensitäts-Sonde


Bewertete Schalldämm-Maße an einem zusammengesetzten Bauteil mit Tür und fünf Wandteilflächen:
Oberhalb der Tür und im linken oberen Segment zeigt die Wand deutliche Schwachstellen.


Schallintensität an einem inhomogenen Bauteil (im Grundriss):
Der linke Teil der Trennwand besteht aus leichten Lochsteinen, der übrige Teil aus Stahlbeton.
Mit dem herkömmlichen Verfahren kann die Schwachstelle nicht lokalisiert werden.

Was ist Schallintensität?

Schallintensität ist gleich der Schallleistung pro Flächeneinheit. Schallleistung bzw. -intensität und Schalldruck stehen im gleichen Verhältnis zueinander wie etwa die Wärmeleistung einer Heizung und die Temperatur im Raum: Die abgestrahlte Leistung stellt die Ursache dar, der Schalldruck bzw. die Temperatur ist die Wirkung im Raum.

Wenn das klassische Verfahren nicht mehr weiterhilft

Mit der herkömmlichen Schalldämmung-Messung nach der ISO 140 - Reihe ist es möglich, das Schalldämm-Maß von Wänden, Decken und Fassadenteilen sowie von zusammengesetzten Bauteilen, wie z.B. Wand mit Tür oder Fassadenteil mit Fenster, als Ganzes zu bestimmen. Eine Erweiterung des Verfahrens macht es außerdem möglich, unter bestimmten Umständen (s.u.) die Schalldämmung von Türen separat zu bestimmen.

Das Verfahren ist preiswert und relativ schnell durchzuführen. Zur messtechnischen Überprüfung einer Bauteilanforderung am Bau ist es daher immer das erste Verfahren der Wahl. Solange das Bauteil die Prüfung besteht.

Leider, und das ist unsere Erfahrung aus langjähriger gutachterlicher Tätigkeit, kommt es jedoch häufig vor, dass eine baurechtlich oder bauvertraglich festgelegte Anforderung an ein Bauteil der messtechnischen Überprüfung nicht standhält. Dann beginnt die Mängelsuche, oder die Identifizierung des Verursachers: Ist die Tür undicht, ist die Wand falsch konstruiert oder ist es die Schallübertragung über die flankierenden Bauteile, die das Schalldämm-Maß der Gesamtkonstruktion zunichte machen?

Das klassische Verfahren hilft an dieser Stelle nicht mehr weiter: Es ermittelt stets ein Gesamt-Schalldämm-Maß des kompletten Bauteils, inklusive aller Flankenwege. Die entscheidenden Fragen bei der Mängelsuche sind aber:

  • Wie hoch ist das Schalldämm-Maß der reinen Wand, ohne Tür und ohne Flanken?
  • Wie hoch ist das Schalldämm-Maß der Tür alleine?
  • Wie hoch ist die Schall-Längsdämmung der flankierenden Bauteile?
  • Weist die Wand Schwachstellen auf, also Bereiche, in denen die Schalldämmung niedriger ist als in anderen Abschnitten?

Nur wenn diese Fragen beantwortet sind, ist es möglich, die Ursache für eine zu niedrige Schalldämmung tatsächlich zweifelsfrei angeben zu können. In Streitfällen, beispielsweise bei der Bauabnahme, kann es hierbei um beträchliche finanzielle Auswirkungen gehen.

Die Schallintensität-Messtechnik ermöglicht die messtechnische Überprüfung aller dieser Fragen!


Das Prinzip der Schallintensitäts-Messung

Beim klassischen Messverfahren wird auf der Sendeseite des Bauteils Rauschens erzeugt und beidseitig des Bauteils der räumlich gemittelte Schalldruckpegel gemessen. Aus der Schalldruckpegel-Differenz zwischen Sende- und Empfangsraum kann unter Berücksichtigung der Prüffläche und der (separat zu messenden) Nachhallzeit im Empfangsraum das bewertete Schalldämm-Maß R'w berechnet werden.

Beim Intensitäts-Verfahren wird ebenfalls sendeseitig Rauschen erzeugt und der Schalldruckpegel gemessen. Empfangsseitig wird jedoch der Schallenergiefluss durch das Bauteil mit Hilfe der Schallintensitätssonde direkt erfasst:

  • über das zu prüfende Bauteil wird ein Messraster definiert,
  • durch "Abwedeln" des Messrasters mit der Intensitätssonde wird die vom Bauteil in den Empfangsraum abgestrahlte Schallintensität gemessen,
  • aus der Differenz zwischen Schalldruckpegel im Senderaum und Schallintensitätspegel auf der Empfangsseite des Bauteils kann das bewertete Schalldämm-Maß R'w berechnet werden.

Eine Nachhallzeitmessung im Empfangsraum ist nicht notwendig. Anders als beim klassischen Verfahren muss empfangsseitig auch kein abgeschlossener Raum vorhanden sein.


Ermittlung des Schalldämm-Maßes für beliebige Teilflächen eines Bauteils ohne Flankenwege

Die Schallintensitäts-Messung liefert genau das Schalldämm-Maß des Flächensegments über das das Messraster definiert wurde. Auf diese Weise kann das Schalldämm-Maß von beliebigen Teilflächen eines Bauteils ermittelt werden. Damit ergeben sich entscheidende Vorteile, beispielsweise bei der Bauabnahme und Mängeldiagnose:

  • Bei zusammengesetzten Bauteilen ist es möglich, z.B. die Schalldämmung der Wand und die Schalldämmung der Tür getrennt voneinander zu ermitteln.
  • Durch getrennte Messung von verschiedenen Wandsegmenten können Schwachstellen, akustische Lecks und Flankenübertragungswege gezielt lokalisiert werden.
  • Die Schalldämmung eines Bauteils kann ohne deren Flankenübertragungswege ermittelt werden, z.B. die Schalldämmung einer Bürotrennwand ohne flankierenden Fußboden, Decke, Flurwand, Fassade. Dies ist sonst nur im Prüfstand möglich.
  • Umgekehrt kann ebenso die Schalllängs-Dämmung flankierender Bauteile einzeln ermittelt werden.

Mit der Intensitätstechnik ist es also nicht nur möglich, schlechte Schalldämmung festzustellen, sondern auch gezielt nach den Ursachen zu suchen!

Bei zusammengesetzten Bauteilen ist auch dann noch eine gesicherte Aussage über die Schalldämmung der einzelnen Bauteilbereiche möglich, wenn die herkömmliche Messmethode an ihre Grenzen stößt. Beim klassischen Messverfahren muss nämlich, je nach Flächenanteil, die Schalldämmung der umgebenden Wand um mindestens 10 – 15 dB höher sein als die Schalldämmung von Tür oder Fenster, damit das Messverfahren verlässliche Ergebnisse liefert.