Projekt: Plenarsaal des Bundesrates Berlin

(Raumakustik im Unterauftrag von Taubert und Ruhe, Akustisches Beratungsbüro, Halstenbek)

Sitzungssaal mit Blick zum Podium
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Bundesrat Modell

Physikalisches Modell im Maßstab 1:20

Bundesrat Raumimpulsantwort

Verteilung der Schwerpunktszeit der simulierten Impulsantwort
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Bundesrat Computersimulation 3D

3D-Modell für computergestützte Raumsimulation
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Funktionen

Sitzungssaal des Deutschen Bundesrates

Bauherr

Bundesrepublik Deutschland

Planer

Architekten Schweger und Partner, Hamburg/Berlin

Bauakustik

Taubert und Ruhe

Bauzeit

1997-2000

Bauvolumen

175 Mill. DM

Beschreibung des Bauvorhabens

Der Plenarsaal und weitere Räumlichkeiten des Bundesrates fanden ihr Domizil im ehemaligen Preußischen Herrenhaus, erbaut 1899-1904.

Der Plenarsaal hat einen rechteckigen Grundriss mit Kantenlängen von 23,5 m und 21,5 m. Die Raumhöhe beträgt 17 m, wobei das in Glas ausgeführte Dach ab 14,5 m pyramidenförmig ausgeführt ist. An drei Seiten des Saales befinden sich in 4 m Höhe Besucherränge. Das Raumvolumen beträgt ca. 7800 m³. Bei einer maximalen Platzkapazität von 305 Personen ergibt sich daraus eine Volumenkennzahl von 25,5 m³ / Platz.

Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Forderung, dass Sitzungssäle auch ohne elektroakustische Hilfsmittel gute Hörsamkeitsparameter aufweisen sollen und damit die Protokollarbeit störungsfrei geleistet werden kann. Die raumakustischen Eigenschaften sind Grundlage für die Planung der elektroakustischen Beschallungsanlage. Beschallungsanlagen sind Hilfsmittel für eine gute Hörsamkeit, z. B. der Anhebung der Lautstärke bei kleiner Sprecherschalleistung.

Für die Hauptnutzungsart Sprachveranstaltungen liegt die optimale Nachhallzeit bei etwa 1,2 s und bei einer Volumenkennzahl zwischen 5 bis 7 m³ / Platz (typische Werte der Nachhallzeit: Wohnzimmer 0,5 s; Konzertsaal 2 s; Kirche 4 s). Dieser Wert wurde zunächst in dem zu beurteilenden Raum weit überschritten, so dass zusätzliche schallabsorbierende Maßnahmen erforderlich wurden, die aber die Lautstärke und damit die Verständlichkeit des natürlich gesprochenen Wortes reduziert hätten.

Bei der Primärstruktur des Plenarsaales ist die große Deckenhöhe raumakustisch ungünstig, da durch die langen Laufzeiten des Schalls zur Decke und zurück die Deckenreflexionen sehr spät beim Hörer eintreffen und sich damit nachteilig auf die Sprachverständlichkeit auswirken.

Für die Untersuchungen zur Hörsamkeit von Sälen werden zwei Verfahren - Computersimulation und Modellmeßtechnik - benutzt. Dabei wird die Computersimulation aufgrund der ungenaueren Simulation der Ausbreitung der Schallwellen vorrangig für die Untersuchung der Primärstruktur (z.B. Grundriss) des Saales verwendet. Die Modellmesstechnik wird für detaillierte Untersuchungen der Sekundärstruktur (z. B. Oberflächengestaltung der Wände)eingesetzt.

Der Grundriss des Plenarsaals lag fest. So bezogen sich die Untersuchungen der Primärstruktur vor allem auf eine in 12 m Höhe geplante, nach oben offene Glasrasterdecke. Dafür wurde zunächst mit CAD ein virtueller Saal mit mehreren Deckenvarianten erstellt und die Schallausbreitung im Computer simuliert. Dabei stellte sich u. a. heraus, dass die Rasterdecke zu einer Verringerung der Nachhallzeit führte und somit für die Verbesserung der Hörsamkeit des Saales geeignet war.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Computersimulation wurde ein Modell im Maßstab 1:20 mit Rasterdecke gebaut und im Unterauftrag durch das Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e. V. (IEMB) untersucht. Mit Hilfe der Modellmesstechnik wurde eine ideale Verteilung der absorbierenden Wandflächen zur Verringerung der Nachhallzeit ermittelt. Diese spart gegenüber der rechnerisch-statistischen Verteilung ca. 600 m² Absorptionsmaterial.

Weiterhin wurden mit der Modellmesstechnik für die Hörsamkeit notwendige Oberflächenstrukturen der einzelnen Wände geprüft, Plafonds oberhalb der Rasterdecke gestaltet und die Neigungen der Randbrüstungen optimiert. Als günstige Lautsprecheranordnung für die elektroakustische Beschallungsanlage stellte sich in den Modellmessungen ein Zentralcluster heraus. Trotz der schwierigen akustischen Voraussetzungen des Saales wurde mit den empfohlenen Maßnahmen eine gute Sprachverständlichkeit im Saal erreicht.